Presse Service

„Manege frei!“ im Thalhaus

18.01.2012 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

THEATER FRANZ Ensemble der Lebenshilfe feiert Premiere einer bezaubernden Zirkusschau

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Kulturbetrieb wie das „Thalhaus“ in den Nerotalanlagen die eigenen Räumlichkeiten in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres komplett dem „Theater Franz“ für die Schlussproben seiner Jahresproduktionen überlässt. Auch in diesem Jahr war das wieder so.

„Wir sind sehr froh darüber, dass unsere letzten Proben, die Premieren und Vorstellungen hier stattfinden können“, sagt Armin Nufer, der „Franz das Theater“ nicht nur leitet, sondern auch Regie führt, alle Texte schreibt, selbst mitspielt und falls erforderlich auch souffliert. Seine Truppe ist erstklassig, individuell und überraschend, wie es im Titel der neuen Produktion so schön heißt. Als „Zirkus Franz“ feierte das Theater Franz im ausverkauften Thalhaus gestern Premiere und zugleich sein zehnjähriges Bestehen. Im Januar 2002 hatte die Lebenshilfe Wiesbaden eine Theatergruppe für Menschen mit geistiger Behinderung gegründet, die sich bis heute „Franz“ nennt.

Normalerweise proben die „Franzler“ einmal wöchentlich im Speisesaal des Biebricher Toni-Sender-Hauses. Für das aktuelle Zirkus-Stück begann die Probenarbeit bereits im Februar 2011. Jede neue Produktion entwickelt und verändert sich im Verlauf dieser Zeit. So stand im November noch lange nicht fest, ob der Zirkusdirektor (Michael Wendt) tatsächlich den Klassiker „Oh mein Papa war eine wunderbare Clown“ singen würde. Er übte den Text trotzdem. Nicht umsonst, denn begleitet vom Ensemble stimmt er das Lied nun tatsächlich an. Die endgültige Fassung einer Produktion entsteht immer erst während der Schlussproben im Thalhaus.

Die Mitspieler kommen mehrheitlich aus den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe in Gräselberg, Schierstein und Erbenheim. Viele arbeiten tagsüber in der Werkstatt für Behinderte. Alle „Franzler“ lieben das Theaterspiel und den Applaus leidenschaftlich. Einige von ihnen sind schon „ewig“ dabei, die Zwillinge Gabi und Karin Bleeker zum Beispiel oder Willy Smith. Andere wie José Perdomo Pinto und Christopher Mielke sind neu.

Ulla Roth gibt im „Zirkus Franz“ ihren Einstand: Auf der Mundharmonika spielt sie im Duo mit der Mainzer Musikstudentin und Geigerin Magd alena Adunga. Letztere tritt ebenfalls erstmals bei den „Franzlern“ auf und bildet mit Gasttrompeter Volker Bender das Zirkusorchester. Auch Sophie Weber, die ihre Sache als Zauberin und Dompteurin hervorragend macht, ist Gast im Ensemble.

„Zirkus Franz“ ist ein hinreißendes klassisches Nummernprogramm mit vier schwebenden Jungmännern, Clown-Zwillingen im blau-grünen Glitzerkostüm, falschen Tigern und falschen Bärten, echten stärksten Männern der Welt, talentierten Jongleuren, witzigen Bodenakrobaten und einer reizenden Seiltänzerin mit Schirm auf dem „Trockenen“.

Auch diese beeindruckende Akrobatikdarbietung gehört zu dem Theaterstück des Ensembles der Lebenshilfe.	Foto: wita/Paul Müller

Auch diese beeindruckende Akrobatikdarbietung gehört zu dem Theaterstück des Ensembles der Lebenshilfe. Foto: wita/Paul MüllerVergrößern

Neues Stück des Theaters Franz hat im Januar Premiere

26.11.2011 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

Nach der Premiere ist vor der Premiere bei „Franz“, dem inzwischen ziemlich bekannten Theater der Lebenshilfe in Wiesbaden. Die alljährliche Inszenierung im Januar ist schnell ausverkauft und die Uraufführungsstätte Thalhaus jedes Mal rappelvoll. Eine kurze Verschnaufpause zwischen dem letzten Auftritt und den neuen Proben gönne man sich allerdings, sagt Christiane Jungkenn, Theaterpädagogin und Betreuerin der Lebenshilfe.

Seit Februar dieses Jahres wird im Speisesaal des Biebricher Toni-Sender-Hauses für das neue Stück geprobt. „Zirkus Franz - erstklassig, individuell, überraschend“ lautet sein Titel.

Die Laienschauspieler des „Franz“ sind Frauen und Männer mit geistiger Behinderung im Alter zwischen Anfang zwanzig und Anfang sechzig. Die meisten kommen aus den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe in Gräselberg, Schierstein und Erbenheim. Viele arbeiten tagsüber in der Werkstatt für Behinderte, und alle lieben das Theaterspiel.

„Willi, du kannst mal was üben“, sagt Armin Nufer und drückt einem der Theatermitglieder einen roten Plastikteller mit Balancierstock in die Hand. Im Nu rollern mehrere solcher Teller über den Köpfen. Auch bunte Reifen zum Jonglieren hält Nufer bereit. Karin schwenkt ein buntes Band durch die Luft. Sophie, Schülerin an der Helene-Lange-Schule, rezitiert einen Text, zu dem Magdalena Adunga auf der Geige spielt. Die Musikstudentin aus Mainz nimmt an diesem Dienstagabend zum ersten Mal an einer Probe des Theaters Franz teil. „Das Stück ist ein Nummernprogramm aus selbst verfassten und nicht selbst verfassten Texten“, erklärt der Wiesbadener Regisseur und Schauspieler Armin Nufer. Er leitet das Theater Franz, schreibt die Szenen und Texte und spielt auch selber mit, um bei Bedarf dafür zu sorgen, dass auf der Bühne nichts aus dem Ruder läuft.

Seine Darsteller seien liebenswerte Menschen, erklärt er, aber haben auch ihren eigenen Kopf und lassen ihren Emotionen freien Lauf. Christiane Jungkenn begleitet die Probenarbeit, ebenso Lebenshilfe-Betreuerin Maria Mazurek. Zum Stammteam kommen Profis für Bühnenbild und Kostüm sowie Musiker und Mitspieler als Gäste. „Wir haben traumhafte Kostüme vom Mainzer Theater zur Ausleihe erhalten“, schwärmt Christiane Jungkenn.

Eine Rahmenhandlung im klassischen Sinn habe „Zirkus Franz“ nicht, erklärt Armin Nufer. Allerdings gebe es zwischen dem Zirkusdirektor, seiner Assistentin, dem Zirkusbesitzer und den Artisten gewisse Reibereien und Aufregungen, was die Machtverhältnisse und Kompetenzen betreffe. Es wird also turbulent zugehen, lässt sich ahnen. Als „work in progress wie immer“ bezeichnet Armin Nufer die Arbeit am Stück. Es ist die achte Jahresproduktion seit Gründung des Theaters im Jahr 2002. Premiere ist am 17. Januar im Thalhaus. Dort finden auch wie gewohnt und dankenswerterweise die Endproben statt, in denen das Stück seinen letzten Schliff bekommt. Szenen aus der Aufführung sollen auch bei der großen Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe im März 2012 gespielt werden. Einer wird nicht mehr dabei sein: Clemens Baron, den alle kennen, die Franz das Theater lieben. Er sollte den Zirkusdirektor spielen, eine Rolle, für die er die Idealbesetzung gewesen wäre. Am 22. November ist Clemens im Alter von 40 Jahren gestorben.

Regisseur Armin Nufer (rotes Hemd) probt mit dem Ensemble das neue Stück.	Foto: RMB/Heiko Kubenka

Rührei und Speck in der Franz-WG

22.01.2011 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

THALHAUS Aufführungen des Lebenshilfe-Theaters ausverkauft

Dicht an dicht saß das Publikum, und es mussten sogar noch ein paar Stühle mehr geholt werden, als am Donnerstagabend im Thalhaus die Premiere „WeGeTV“ vom Franz-Theater der Lebenshilfe Wiesbaden stattfand. Es war die neunte Produktion und wie immer ein Erfolg nicht nur für Arnim Nufer (Script, Regie und Theaterleitung) und sein Team, sondern auch und vor allem für die Mitglieder seiner tollen Gruppe: Frauen und Männer unterschiedlichen Alters mit geistiger Behinderung. Die Proben sind nicht immer leicht, dafür die Premieren immer gut. Wer „Franz das Theater“ schon länger kennt, merkt, wie die Mitspieler an ihrer Aufgabe wachsen. Dieses „Franz“ ist nicht nur Spaß, sondern auch ein Förderprojekt von Wert.

„WeGe“ lautet die neudeutsche Abkürzung von WG wie Wohngemeinschaft und bietet mit Alltag und Chaos ein dankbares Thema. Alles ist möglich - und wenn mal was schief geht, ist es immer noch lustig. Es wurde viel und herzlich gelacht, wenn zum Beispiel der Nachbar im Schafspelz (Michael Wendt) auftauchte, um sich Zucker, Eier und sonst was zu borgen, ständig Energiespartipps unter die Leute zu bringen und seine Stromerzeugung mittels Fahrraddynamo vorzuführen.

Starter in den Abend war ein wirklich pfiffiges Video, mit dem sich Nufer & Co. bei ARX-TV um den Titel „Die geilste WG der Welt“ bewirbt. „Wir sind die Besten, weil wir die Besten sind“, lautet das überzeugende Argument. Schließlich wird hier der Müll getrennt, gesund gegessen, gern wie wahnsinnig geputzt, gemeinsam eingekauft, gekocht und Party gefeiert, die Atomstrom-Zone ausgewiesen und dem Nachbarn nichts genommen, sondern mehr gegeben als er braucht. „Bei uns ist jeder willkommen: von GEZ bis EBS“, tönt Lothar alias Armin Nufer vollmundig für die TV-Bewerbung.

In der schnöden Realität sieht die WG-Welt anders aus. Von wegen putzen, waschen, kochen, spülen! Niemand hat Lust drauf. Abends bleibt Lothar am liebsten zu Hause und macht Spiele statt Party. Im Kühlschrank herrscht Ebbe. Nicht schon wieder waschen und bügeln, meint Conni (Elke Grohmann). Georg (Willi Smith) geht allein in den Supermarkt einkaufen, und Kevin erklärt sich bereit, für alle zu kochen - ebenfalls allein. Thema Ökostrom entfällt auf der WG-Vollversammlung, die nächste Demo wegen Aufstockung von Hartz IV auf satte 800 Euro sowieso.

Nach der Pause duftet es im Saal mit der aufgebauten WG-Miniküche appetitlich nach Rührei und Speck, die Kevin vor aller Augen und Nasen brät. Genau im falschen Moment - bei den Entspannungsübungen - erscheint ARX-TV. Der smarte Reporter im Leopardenlook-Anzug (Peter Silbereisen als Gast) findet die WG hoffnungslos altmodisch. Sie wird nicht die „geilste WG der Welt“. Sie darf so bleiben, wie sie ist - und erntet dafür einen Riesenapplaus. Die weiteren Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft.

Das Franz-Theater bei der Premiere von WeGeTV. Ins Fernsehen schaffen es die Freunde der Wohngemeinschaft zwar nicht - aber sie füllen das Thalhaus.	Foto: RMB/Friedrich Windolf

R+V Versicherung spendet 10.000 Euro für "Franz das Theater"

Theater des Vereins Lebenshilfe Wiesbaden mit behinderten Menschen
Wiesbaden, 28. Januar 2011. Einmal im Rampenlicht stehen: Mit "Franz das Theater" ermöglicht der gemeinnützige Verein Lebenshilfe Wiesbaden geistig behinderten Menschen, ihre Fähigkeiten vor einer großen Öffentlichkeit zu beweisen. "Die Kreativität und Spielfreude der Akteure begeistert die Zuschauer immer wieder", fasst Rita Jakli, Pressesprecherin der R+V Versicherung, ihren Eindruck von der General-probe des aktuellen Stückes "WeGeTeVau" zusammen. "Es ist faszinierend, zu welch hervorragenden schauspielerischen Leistungen die behinderten Akteure unter professioneller Anleitung fähig sind. Deshalb engagieren wir uns sehr gerne für dieses Lebenshilfe-Projekt." Das Wiesbadener Unternehmen unterstützt das Behinderten-theater nun schon im dritten Jahr als Hauptsponsor.

Lauter fröhliche Gesichter

20.09.2010 - SCHIERSTEIN

Von Heinz Porten

LEBENSHILFE Jahresfest im Schiersteiner Wohnhaus / Wie eine große Familie

Die Tische und Bänke im Hof des Wohnhauses Schierstein der Lebenshilfe Wiesbaden e.V. sind gut besetzt, überall sieht man freundliche und zufriedene Gesichter. Die Bewohner feiern mit Angehörigen und Freunden zum ersten Mal ihr reguläres Jahresfest im nach dem Umbau im vergangenen Jahr neu angelegten Hof.

„Wie heißt du? Komm, drück mich mal. Hallo, guten Tag.“ Als Besucher wird man selten so herzlich und unvoreingenommen empfangen wie beim Jahresfest im Wohnhaus Schierstein der Lebenshilfe Wiesbaden Hände strecken sich zum Gruß entgegen, jeder Gast wird mit einem strahlenden Lächeln willkommen geheißen.

Das Wetter spielt mit, im Hof und auf der Terrasse hinter den Gebäuden des Wohnhauses haben es sich die 34 Bewohner mit ihren Angehörigen, Betreuern und einigen Freunden des Hauses bequem gemacht. Man blickt in lauter fröhliche Gesichter. „Diese Fröhlichkeit und Lebensfreude zeichnet unsere Bewohner aus“, sagt Leiter Peter Kerbeck. Nach dem im letzten Jahr abgeschlossenen Umbau des 1978 als erste Wohnstätte der Lebenshilfe errichteten Hauses ist dies das erste reguläre Jahresfest in Schierstein. Das 100 Jahre alte Ursprungshaus blieb bestehen, die alten Anbauten wurden abgerissen und durch einen großzügigen Neubau ersetzt, sodass alle Bewohner jetzt ein Einzelzimmer haben.

„Das Haus ist so konzipiert, dass die Bewohner hier dauerhaft ihr Zuhause haben, auch wenn der Pflegebedarf zunimmt“, erläutert Kerbeck die Philosophie. Das Jahresfest ist wie ein großes Familientreffen, zu dem auch gerne ehemalige Mitarbeiter kommen. Bewirtet werden sie und die anderen Gäste mit Kaffee, Kuchen und Gebäck aus der ebenfalls zur Lebenshilfe Wiesbaden gehörenden Landbäckerei Ehrenbach.

Auch wenn das Jahresfest in erster Linie Raum für Gespräche und Begegnungen bietet, sorgen die Untertaunus-Musikanten, eine Jonglage- und Feuershow sowie ein Luftballon-Modellierer für Unterhaltung. Im Gartenhäuschen bieten Bewohner selbst gemixte alkoholfreie Cocktails an, die stilecht im Shaker gemixt werden. Bis spät in den Abend wird gefeiert.

Die Untertaunusmusikanten unterhielten die Gäste  beim Sommerfest des Wiesbadener Lebenshilfe-Vereins. 	Foto: RMB/Friedrich Windolf

Die Untertaunusmusikanten unterhielten die Gäste beim Sommerfest des Wiesbadener Lebenshilfe-Vereins. Foto: RMB/Friedrich Windolf Vergrößern

Die Stadt kommt nicht in Frage

Doch ländliche Idylle und üppige Natur täuschen so manch Ruhesuchenden Touristen aus der Stadt, denn ein Leben auf dem Land bedeutet oft körperliche Arbeit und Aufstehen vor dem ersten Hahnenschrei. Das gilt auch für die Bewohner des Landguts Ehrenbach bei Wiesbaden, die wie Sascha Zislinsky hier leben und arbeiten. Der geistig behinderte junge Mann ist mit seinen Kollegen bereits um 3 Uhr früh auf den Beinen, um in der einzigen Bäckerei des Ortes den Teig zu mischen, zu kneten und zu backen. Bereits zwei Stunden später warten Kliniken, Schulen, Altenheime sowie drei Dorfläden der umliegenden Gemeinden auf die frischen Backwaren. Unterstützt werden sie von Bäcker-Meister Horst Brunke und einem Gesellen.

 
Leben auf dem Land. Quelle: ZDF
ZDF
Die Landbäckerei beschäftigt acht Menschen mit geistiger Behinderung.
 

"Als wir hier vor zehn Jahren angefangen haben, gab es hier noch gar nichts", erzählt Brunke. Vor zehn Jahren wurde das Landgut Ehrenbach, ein Tochterunternehmen der Lebenshilfe Wiesbaden e.V., ins Leben gerufen. Der 350 Seelen-Ort Ehrenbach im Taunus besticht durch seine Abgeschiedenheit. Für den 30-jährigen Sascha Zislinsky, der mit seinen sieben Kollegen in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, käme dennoch das Leben in der Stadt nicht in Frage, denn er schätzt die Ruhe und den Zusammenhalt von Kollegen und Nachbarn.

ZDF Beitrag "Menschen-das Magazin" vom 17.07.2010

Zwiebelkuchen, Pizza und Kuchen

16.08.2010 - EHRENBACH

Von Marion Diefenbach

HOFFEST Landgut Ehrenbach mit Bäckerei der Lebenshilfe Wiesbaden besteht seit zehn Jahren

„Ich bin…“, „Ich lebe hier seit…“, „Was ich gut finde…“, „Was mich froh macht…“ lauten die von den Bewohnern handschriftlich ergänzten Satzanfänge in großen Rahmen mit ihrem jeweiligen Portraitfoto, die in dem riesigen, idyllischen Garten an Bäumen und Sträuchern verteilt aufgehängt waren. Sie präsentieren sich gern, denn sie haben das mehr als gut besuchte Jubiläum von Landgut und Landbäckerei Ehrenbach, das bei strahlendem Sonnenschein erstmals im Garten anstatt im Hof stattfand, nach der samstäglichen Arbeit in der Bäckerei mit viel Mühe unter Anleitung selbst vorbereitet.

Zeitweilig kaum noch freie Parkplätze

Kuchen sowie später Pizza und Zwiebelkuchen überzeugten die Besucher bei musikalischer Untermalung durch die Idsteiner Big Band von der hochwertigen Qualität der Bäckereiprodukte, und neben einer Judovorführung des Behindertensportvereins war eine riesige Hüpfburg aufgebaut, wo sich die Kleinen austoben konnten. So gab es rund um das Landgut zeitweilig kaum noch freie Parkplätze, denn es waren nicht nur andere Gruppen der Lebenshilfe e.V. wie beispielsweise vom Wiesbadener Gräselberg gekommen, sondern auch viele Interessierte jeden Alters aus Idstein und Umgebung.

Die derzeit acht geistig Behinderten im Alter von 25 bis 55 Jahren - sechs junge Männer und ein Päärchen - leben und arbeiten im „Betreuten Außenwohnen“ der Lebenshilfe Wiesbaden e.V. in Wohngemeinschaften auf dem Landgut Ehrenbach und können dort unter professioneller Anleitung der beiden Betreuerinnen Heidi Wolf und Gloria Musco ihr Leben weitgehend selbst gestalten. Nach der Arbeit in der Bäckerei von Bäckermeister Horst Brunke, für die sie nachts um halb drei Uhr aufstehen, leisten sie ab 8 Uhr Dienste rund um das Haus, denn Backstube, Hof und Wohnbereiche müssen sauber und in Ordnung gehalten werden. Anschließend können sie in jeder WG gesondert kochen, und ab 14 Uhr gehört der Tag dann ihnen.

„Wir bieten überwiegend Unterstützung im täglichen Ablauf, Struktur und Beratung,“ sagt Gloria Musco. Eine große Rolle spiele außerdem die Konfliktbewältigung und Vermittlung, erläutert sie, denn wie überall komme es im engeren Zusammenleben immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Im Großen und Ganzen steht allerdings im Vordergrund, dass die Menschen hier durch ihre „geschützten Arbeitsplätze“ in familiärer Atmosphäre viel Selbstwertgefühl haben - sie sind von Anfang an in die Herstellung der überwiegend naturbelassenen Produkte eingebunden, von der Mehlmischung für die Brote, Brötchen und süßen Backwaren bis zu ihrem Verkauf vor Ort bzw. ihrer Lieferung an den Dorfladen Holzhausen, den Dorfladen Seitzenhahn, die Bäckerei Hunger in Niedernhausen sowie die Helios-Kliniken in Idstein und Bad Schwalbach.

Frage nach dem Verbleib ungelöst

Die Lebenshilfe e.V. betreue lebenslänglich, erläutert Gloria Musco. Allerdings sei die Frage nach dem weiteren Verbleib von Bewohnern, die in Rente gehen, noch nicht endgültig geklärt, denn die Menschen mit Beeinträchtigung haben nach vielen Jahren ihren Lebensmittelpunkt in der Einrichtung, in der sie wohnen, und können nicht ohne weiteres „verpflanzt“ werden. Dieses Problem und der Umgang damit wird in den kommenden Jahren ein vordringliches Thema nicht nur der Behindertenpädagogik darstellen.

Das Landgut Ehrenbach wurde vor zehn Jahren von der Lebenshilfe Wiesbaden erworben und renoviert. Derzeit sind zwei Plätze frei; Informationen gibt es im Internet unter www.lebenshilfe-wiesbaden.de

Eine gelungene Darbietung mit dem Schwingtuch während des Hoffestes des Ehrenbacher Landgutes.	Foto:  wita/Mallmann

Eine gelungene Darbietung mit dem Schwingtuch während des Hoffestes des Ehrenbacher Landgutes. Foto: wita/MallmannVergrößern

Bonnie malt ein lachendes Kind

13.12.2010 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

MALWERKSTATT Junge Behinderte und die Fortschritte durch kreative Tätigkeit

„EigenArt II“ heißt die Fortsetzung der 2009 gestarteten offenen Malwerkstatt für Kinder mit und ohne Behinderung. Die diesjährigen Ergebnisse - rund fünfzig Bilder von insgesamt etwa dreißig Kindern - sind derzeit unter dem Titel „Malen mit Händen und Füßen“ in der Kinder-Kunst-Galerie (Dotzheimer Straße 99) zu sehen. Sie habe die Malwerkstatt damals im Rahmen des Ferien- und Freizeitprogramms der Stadt angeboten, sagt Annette Caumanns-Loos, Mitarbeiterin des Mobilen Dienstes der Lebenshilfe Wiesbaden und Initiatorin des Projektes.

Dank der positiven Resonanz - es gab lange Wartelisten für die zehn EigenArt-Workshops - kam die Veranstaltung auch 2010 wieder ins Programm plus einer ganzen Malwoche in den Herbstferien. Unterstützt wurde das Projekt vom Amt für Soziale Arbeit. Dessen Abteilung Jugendarbeit und dessen Koordinationsstelle für Behindertenarbeit teilten sich die Finanzierung. Außerdem stellte das Amt eine seiner Mitarbeiterinnen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ Kultur) zur Verfügung. Zwei Integrationshelfer brachte Annette Caumanns-Loos mit.

In den samstäglichen Workshops arbeiteten je zur Hälfte Kinder mit und ohne Behinderung im Alter zwischen fünf und 13 Jahren. Die Beeinträchtigungen sind unterschiedlicher Art. Künstlerisches Arbeiten biete Kindern viele verschiedene Entfaltungsmöglichkeiten für Körper, Geist und Seele, erklärt Annette Caumanns-Loos. „Gerade für Kinder, die sich ihrer Umwelt nur wenig oder gar nicht sprachlich mitteilen können oder wollen, bietet die Auseinandersetzung mit Farben, Formen und Linien eine individuelle Ausdrucksmöglichkeit.“

Hinzu kommen auf beiden Seiten die Begegnungen mit anderen Kindern und die gegenseitige Akzeptanz, ja das Miteinander, etwa in den „Zusammenbildern“. Am Zusammenbild darf jeder nach Lust und Laune mit- und weitermalen, ohne dabei etwas zu übermalen. Der wachsende Stolz, malen zu können, auch wenn man zum Beispiel im Rollstuhl sitzt, stärkt das Selbstbewusstsein. Zudem trainiert der Umgang nicht nur mit Pinsel und Farbe, sondern auch mit vielen unterschiedlichen Materialien und Werkzeugen wie Alufolie, Goldpapier und Schnur, Schwämmchen und Farbmesser die Motorik ebenso wie die Sinne - und Spaß macht es außerdem.

Der 13-jährige Lars und der achtjährige Marius si nd zwei der Integrationskinder. Beide machen von Anfang an in der Malwerkstatt mit, und beide sind Star-Wars-Fans. Gemeinsam malen sie ganze Bilderserien zu ihrem Lieblingsthema. Marius spielt mit seinen Figürchen gern eigene kleine Star-Wars-Geschichten und hat zur Ausstellungseröffnung sein Laserschwert mitgebracht. Marius habe vor zwei Jahren überhaupt nicht gemalt, erzählt seine Mutter, Martina Göbel. Die Malwerkstatt habe ihn motiviert. „Es war für ihn unheimlich wichtig, dass er hier gelernt hat auszudrücken, was er denkt und fühlt.“ Vorher sei er kaum aus sich herausgekommen.

Die Kinder haben ohne Themenvorgabe gemalt: Leonie ein gelbes Herz auf pinkfarbenem Grund, Emma in mehreren Teilen ein Aquarium, Julius eine abstrakte Farbkomposition in Rot- und Blautönen und Bonnie ein lachendes Kind mit weit ausgestreckten Armen.

Auch 2011 biete die Lebenshilfe im Rahmen des Ferien- und Freizeitprogramms wieder eine „EigenArt“ für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung an, in der es diesmal als Variation ums plastische Gestalten gehe, sagt Annette Caumanns-Loos. Sollte sich ein Sponsor fürs integrative Malen finden, so werde es als Angebot von den „Kunstwerkern“ übernommen. In der öffentlichen Diskussion um Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft sei „EigenArt“ ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf einem langen Weg.

Der achtjährige Marius vor einer Serie Star-Wars-Bilder, die er gemeinsam mit dem 13-jährigen Lars in der offenen Malwerkstatt der Lebenshilfe Wiesbaden gemalt hat. 	Foto: wita/Paul Müller

Der achtjährige Marius vor einer Serie Star-Wars-Bilder, die er gemeinsam mit dem 13-jährigen Lars in der offenen Malwerkstatt der Lebenshilfe Wiesbaden gemalt hat. Foto: wita/Paul MüllerVergrößern

EIGENART II

Ausstellung „Malen mit Händen und Füßen - Die Kraft der Farben“ noch bis zum 11. Januar in der Kinder-Kunst-Galerie, Dotzheimer Straße 99. Geöffnet: Dienstag von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon: 06 11 / 31 34 65.

Folgeausstellung vom 19. Januar bis 4. März in der „Schwalbe 6“, Schwalbacher Straße 6. Vernissage: Mittwoch, 19. Januar 2011 um 18

Gespanntes Warten auf die Gipsfüße

28.03.2011 - WIESBADEN

INKLUSION Kinder entwickeln bei der Malwerkstatt „Eigenart“ Mut zum Ausdruck

(MaK). Aus der Malwerkstatt „EigenArt“, in der sich 2009 und 2010 einmal monatlich zehn bis zwölf Kinder mit und ohne Behinderung zum kreativen Arbeiten trafen, ist in diesem Jahr eine Werkstatt für plastisches Gestalten entstanden. Die Hälfte der Kinder hat eine Behinderung. „Wir praktizieren die Inklusion schon eine ganze Weile“, sagt Annette Caumanns-Loos von der Lebenshilfe Wiesbaden. Sie ist Initiatorin und Leiterin der Workshops. Finanziert wird das Projekt vom Amt für Soziale Arbeit, die Lebenshilfe beteiligt sich mit einem Zuschuss.

Auch für die neue „EigenArt“-Werkstatt habe es wieder mehr Anmeldungen als Plätze gegeben, berichtet Annette Caumanns-Loos. Viele mussten auf die Warteliste. Deshalb war die Freude groß, als das Junge Staatstheater Wiesbaden mit einer Spende in Höhe von 2000 Euro die Einrichtung einer zweiten Werkstatt ermöglichte. Die Mittel stammen aus dem Verkaufserlös von Hörspiel-CDs, Plakaten und Buttons rund um die Weihnachtsmärchen-Aufführungen der „Schneekönigin“ im vergangenen Jahr. Trotz der moderaten Preise seien da bei 50 000 Zuschauern immerhin 16 000 Euro zusammengekommen, erzählt Stefan Schletter, einer der beiden Leiter des Jungen Staatstheaters. Das Geld fließe in einen Fonds, der sozialen Zwecken diene, so ermögliche man beispielsweise Kindern aus finanziell schwachen Familien den Theaterbesuch. „Unser Publikum soll wissen, wofür wir das Geld einsetzen.“ Am vergangenen Samstag besuchte Schletter die Kinder der ersten, bereits seit Januar bestehenden Vormittags-Werkstatt.

Im Januar und Februar haben sich die Kinder mit den Materialien Ton und Gips angefreundet. Jeder sucht und findet beim Arbeiten seinen eigenen Weg durch die Welt der Formen. Auch wenn Freunde wie Marius und Lars oder Freundinnen wie Nele und Leonie schon in der Malwerkstatt gern zusammengearbeitet haben. Was ist schöner - malen oder Ton kneten? „Mir macht beides Spaß“, antwortet Leonie und rollt dabei mit der Handfläche an einen Stück Ton. Nele nickt. „Mir auch.“ Thomas knetet an seinem dritten liegenden Osterhasen. Voriges Mal hat er eine Schildkröte mit abnehmbarem Panzer geformt, innen lag ein Schildkrötenbaby.

Johanna bemalt ihr Herz aus Ton blutrot und wählt dann für die Tonkugel mit eingeschnittenem Kreuz ein Kornblumenblau, das ihrer Mutter so gut gefällt. Gebrannt wird der Ton nicht, nur getrocknet.

Wie fühlen sich Gips und Ton an, und was kann man daraus machen? Welche Werkzeuge braucht man? „Wir gehen langsam und Schritt für Schritt vor“, erklärt Annette Caumans-Loos. Unterstützt wird sie von Kunstwerkerin Julia Isterling sowie Magdalena Görnert, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Amt für Soziale Arbeit absolviert, und Helferin Laura Ciccanti. Manchmal gehe es turbulent in der Werkstatt zu, da sei es gut, wenn sich mehrere die Betreuung der Kinder teilten. „Wer hat noch keinen Gipsfuß?“, fragt Julia Isterling in die Runde. Die Gipsfüße von Chantal, Johanna und Marius stehen schon auf der Bank. Lina wartet darauf, dass ihre Gipshand trocknet. Sie und ihre Schwester sind neu in der Werkstatt. Vorsichtig wird Linas Gipshand aufgeschnitten. Was fängt man damit an? Mal sehen. Vielleicht bemalen. Das Arbeiten mit Pappmaché, Holz, Speck- und Alabasterstein soll folgen. Wie zuvor schon in der Malwerkstatt gilt es für die Kinder auch diesmal wieder, Mut zum unverwechselbar eigenen Ausdruck zu entwickeln, etwas Neues auszuprobieren und Spaß am Werkeln zu haben.

Stefan Schletter vom Jungen Staatstheater, Leonie, Nele und Workshopleiterin Annette Caumanns-Loos (von links) formen aus Ton Figuren.	Foto: wita/Paul Müller

Stefan Schletter vom Jungen Staatstheater, Leonie, Nele und Workshopleiterin Annette Caumanns-Loos (von links) formen aus Ton Figuren. Foto: wita/Paul MüllerVergrößern



Imagefilm zum 50 jährigen Jubiläum

50 Jahre Lebenshilfe Wiesbaden - Ein Film von Ballentin Video Film ...

www.youtube.com/watch?v=jCJ1eslQ6bA9 Min. - 1. Okt. 2010 - Hochgeladen von BallentinVideo
Die Lebenshilfe Wiesbaden setzt sich seit über 40 Jahren für behinderte Menschen ein. Zum Angebot gehören eine Frühförder- und ...