„Manege frei!“ im Thalhaus
18.01.2012 - WIESBADEN
Von Marianne Kreikenbom
THEATER FRANZ Ensemble der Lebenshilfe feiert Premiere einer bezaubernden Zirkusschau
Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Kulturbetrieb wie das „Thalhaus“ in den Nerotalanlagen die eigenen Räumlichkeiten in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres komplett dem „Theater Franz“ für die Schlussproben seiner Jahresproduktionen überlässt. Auch in diesem Jahr war das wieder so.
„Wir sind sehr froh darüber, dass unsere letzten Proben, die Premieren und Vorstellungen hier stattfinden können“, sagt Armin Nufer, der „Franz das Theater“ nicht nur leitet, sondern auch Regie führt, alle Texte schreibt, selbst mitspielt und falls erforderlich auch souffliert. Seine Truppe ist erstklassig, individuell und überraschend, wie es im Titel der neuen Produktion so schön heißt. Als „Zirkus Franz“ feierte das Theater Franz im ausverkauften Thalhaus gestern Premiere und zugleich sein zehnjähriges Bestehen. Im Januar 2002 hatte die Lebenshilfe Wiesbaden eine Theatergruppe für Menschen mit geistiger Behinderung gegründet, die sich bis heute „Franz“ nennt.
Normalerweise proben die „Franzler“ einmal wöchentlich im Speisesaal des Biebricher Toni-Sender-Hauses. Für das aktuelle Zirkus-Stück begann die Probenarbeit bereits im Februar 2011. Jede neue Produktion entwickelt und verändert sich im Verlauf dieser Zeit. So stand im November noch lange nicht fest, ob der Zirkusdirektor (Michael Wendt) tatsächlich den Klassiker „Oh mein Papa war eine wunderbare Clown“ singen würde. Er übte den Text trotzdem. Nicht umsonst, denn begleitet vom Ensemble stimmt er das Lied nun tatsächlich an. Die endgültige Fassung einer Produktion entsteht immer erst während der Schlussproben im Thalhaus.
Die Mitspieler kommen mehrheitlich aus den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe in Gräselberg, Schierstein und Erbenheim. Viele arbeiten tagsüber in der Werkstatt für Behinderte. Alle „Franzler“ lieben das Theaterspiel und den Applaus leidenschaftlich. Einige von ihnen sind schon „ewig“ dabei, die Zwillinge Gabi und Karin Bleeker zum Beispiel oder Willy Smith. Andere wie José Perdomo Pinto und Christopher Mielke sind neu.
Ulla Roth gibt im „Zirkus Franz“ ihren Einstand: Auf der Mundharmonika spielt sie im Duo mit der Mainzer Musikstudentin und Geigerin Magd alena Adunga. Letztere tritt ebenfalls erstmals bei den „Franzlern“ auf und bildet mit Gasttrompeter Volker Bender das Zirkusorchester. Auch Sophie Weber, die ihre Sache als Zauberin und Dompteurin hervorragend macht, ist Gast im Ensemble.
„Zirkus Franz“ ist ein hinreißendes klassisches Nummernprogramm mit vier schwebenden Jungmännern, Clown-Zwillingen im blau-grünen Glitzerkostüm, falschen Tigern und falschen Bärten, echten stärksten Männern der Welt, talentierten Jongleuren, witzigen Bodenakrobaten und einer reizenden Seiltänzerin mit Schirm auf dem „Trockenen“.
